16.01.2018

1. Männer - HSG Mönkeberg-Schönkirchen

Heimspiel am 14.01.2018, 17.00h, Sporthalle Budapester Straße

Gewaltenteilung

Im 18. Jahrhundert saßen einige Männer mittleren Alters zusammen und hatten die Schnauze voll. Heute würde man Sie vielleicht als Wutbürger bezeichnen, was der intellektuellen Leistung, die aus ihrer Wut entstanden ist, jedoch nicht gerecht würde. Diese Männer hießen Jean-Jaques, Charles, Immanuel und John. Und sie hatten Freunde. Die Schnauze voll hatten sie von Bevormundung, von Willkür und von Irrationalität. Heute nennt man sie Aufklärer und ihre Ideen werden mittlerweile von den meisten in demokratischen Gesellschaften lebenden Menschen als selbstverständlich anerkannt. Eine dieser Ideen ist die Gewaltenteilung, in einem Staat soll kein Organ in der Position sein, uneingeschränkt herrschen zu dürfen. Vielmehr wird die Macht in Demokratien in der Regel aufgeteilt in Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (Rechtsprechung). Das ist aus vielen Gründen zu begrüßen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. 

Wir sind froh, dass sich dieses Prinzip (in leicht abgewandelter Form) auch bei uns nun der Mannschaft wiederfindet, wobei man vielleicht ein kleines Übergewicht auf der Legislative erkennen kann. Nicht nur das eine oder andere Training, sondern insbesondere die Mannschaftsbesprechungen haben manchmal eher parlamentarisch-deliberativen Charakter. Auch wenn das anstrengend ist, ist das doch am Ende meistens gut. Die Exekutive, also der Strafenwart, handelt auf Basis der legislativ ausgearbeiteten Gesetzgebung, ist jedoch ausschließlich seinem Gewissen verpflichtet und somit unabhängig. Bisher eher im Hintergrund hat sich die Ein-Mann-Judikative gehalten, in letzter Zeit hat sie jedoch deutlich an Wichtigkeit gewonnen. Man kann also sagen, willkürliche Entscheidungen werden bei uns im Team nicht getroffen und das ist gut so. Ehrlich gesagt kann ich mir nach fünf Jahren beim FCSP auch nichts anderes mehr vorstellen. 

Dass das nicht in allen Teams so funktioniert, haben wir am vergangenen Wochenende beobachten können. Bei unserem Gegner aus Mönkeberg scheint die Exekutive aus dem Trainerteam zu bestehen, eine Kontrolle durch die Legislative (aka „Mannschaft“) scheint nicht zu bestehen. Dass exekutiv getroffene Entscheidungen nicht erklärt werden, untermalt deutlich den willkürlichen, undemokratischen Beigeschmack, die eine solche Entscheidung hat. Das Trainerteam unseres Gegners hat am Sonntag entschieden, dass eine 55-minütige Verspätung des Anpfiffs eine nicht hinnehmbare Verzögerung darstellt. Mönkeberg ist, zur Überraschung der eigenen Spieler, das Spiel nicht angetreten und ist wieder nach Hause gefahren. Im Klartext: die Mannschaft (also die potenzielle Legislative) wollte spielen, aber die Chefs haben beschlossen, dass nicht gespielt wird. Das ist nicht nachvollziehbar und ärgerlich, nicht nur für uns, sondern auch für die Jugendmannschaften, deren Spiel aufgrund der Mönkeberger Hinhaltetaktik auch ausgefallen ist. Charles und seine Freunde knurren in ihren Gräbern. 

Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, da sie den Rückhalt der anderen, übergeordneten Ein-Mann-Judikative hat. Das tun wir und bieten brav Termine an für ein Nachholspiel. Eines bleibt am Ende jedoch zu sagen: Den eigenen Spieler nach der Absage zu erzählen, dass wir (also der FCSP) nicht spielen wollen, ist einfach nur armselig.

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