07.04.2019

FC St. Pauli 3 - TSV Ellerbek 3 24:11 (7:6)

Heimspiel in der Thedestraße am Samstag, den 30. März 2019, um 17:30 Uhr

Maximale Liebe

„Es gibt keinen Ersatz für sportlichen Erfolg!“ Das sagte Andreas Rettig am Donnerstag – und die tiefe Wahrheit dieser Worte ließ uns erschauern. Welcher Satz könnte pointierter das Motto unseres Teams auf den Punkt bringen? In der siebten Bundes geht das Dilemma des Bezahlhandballs schließlich mindestens los: Kein unabgesprochener Skiurlaub möglich, keine Trainingsabsage für Fanladen-Veranstaltungen, kein Engagement für gar nix außer beiß-kratz-schwitz, keine Emotionen, wenn es um Konkurrenz um eigene Tore geht, keine Party vorm Spieltag – und schon gar keine danach!

Deshalb haben wir am Samstag auch nicht geweint, weil wir Sasha und Ssäm, die ihr letztes Ligaspiel für uns bestritten, unendlich vermissen werden, weil sie beide einfach herzallerliebst großartige Menschen und unfassbar wichtige Teamfriends sind, sondern selbstverständlich nur, weil sie schlicht und einfach fantastisch Handball spielen und uns ihre durch Signature-Curve-Raffinesse erzielten oder dank Signature-Reitersitz-Perfektion verhinderten Treffer fehlen werden, den nicht zuletzt finanziell dringend benötigten Aufstieg zu realisieren.

Deshalb kam in der Diashow, die wir direkt nach dem Spiel natürlich ganz ohne alkoholische Getränke genossen, auch nichts Persönliches vor, sondern es wurden von unserem Kader-Gespann Susan „die Eisenfaust“ Weller und Klaus „der Schwabenhammer“ Kempmann ausschließlich Auf-der-Platte-Szenen präsentiert, die alle anderen so beschämten, dass sie noch vor deren Ende eine Runde Lauf-Tabata in der Kabine einstreuten.

Deshalb waren wir nach Spiel, Diashow und Lauf-Tabata auch nicht mehr beim Szene-Italiener, um dort zu viel Jever, dürchsichtlige Eisdrinks, Campa Rio, Alkohol Spritz, Averna und Sambuca zu trinken oder womöglich mit FÜNF anderen Teams bis nach der Zeitumstellung unseren Saisonabschlussball zu feiern.

Deshalb hätten wir es auch schlecht gefunden, dass die anderen alle da waren, weil wir das sehr gut finden, sich nur im Tunnel des eigenen Teams zu bewegen und auch da nur die akzeptieren, die entweder auf anderen Positionen spielen oder noch besser sind als wir selbst.

Deshalb hätten wir es auch gar nicht zum Weinen schön gefunden, mit so vielen in diesem uns ohnehin verhassten Laden auch noch in Trauben vorm Tresen rumstehen zu müssen, weil es trotz der Tatsache, dass nur noch ein Pärchen da saß, das nicht beim FC St. Pauli Handball spielt, einfach zu wenige Stühle gab.

Deshalb haben wir auch nicht gesungen oder getanzt, weil es in diesem Etablissemang als Nicht-Karaokebar nämlich gar nicht erlaubt ist, sich Bello e Impossibile oder Gigi L’amoroso zu wünschen und sich vor lauter Freude darüber und über die ganze FCSP-Familie ab und zu und ständig in den Armen zu liegen und dabei dem stets reserviert und unnahbar wirkendem Personal im Weg zu sein.

Deshalb haben wir da auch nicht mal wieder jede Menge erst im Nachhinein alberne Selfies gemacht, die an ältere Zeiten hätten erinnern können, in denen solch teamübergreifender Taumel öfter vorkam als nur einmal in Jahr.

Und deshalb haben wir uns am Samstag am allermeisten darüber gefreut, den auch in dieser Höhe selbstredend erwarteten Erfolg über Ellerbek 3 eingefahren zu haben, denn nach dem 7:6 zur Halbzeit wurden wir von Eisenfaust in live und vom Schwabenhammer per Video-Schalte von der Autobahn so beinhart zusammengefaltet, dass uns alles andere wieder irgendwelche Ernährungspläne, Gehirnwäschen und Extraschichten eingebracht hätte.

Sooo: Schluss mit lustig.

Ssäm: Du verlässt uns nach 17 Jahren, und das nach der Saison Deines Lebens. Stilvoller geht es wohl kaum – aber unglaublich unglaubbar, dass Du nach dem Cup nicht mehr dabei sein wirst, auf und neben der Platte. Obwohl, na ja: Aushelfen, jeden zweiten Mittwoch bei oh Mario, bei Spielen, Geburtstagen, Handballpartys…, das könnte eine Rettung vom gerade so bitteren Trennungsschmerz werden!!!

Sasha: Du gehst zumindest geographisch dahin zurück, von wo Du uns vor vielen Jahren geschenkt worden bist, und auch Deine Gründe dafür sind maximal unwegdiskutierbar. Die Lücke, die Du mitten unter uns hinterlassen wirst, ist auch eine sehr, sehr große. Bis Dein Projekt endlich nach Hamburg verlagert wird, werden wir uns mit Erinnerungen und Besuchen trösten müssen. Aber im Moment meint WTF halt einfach nur WTF.

Jedes Team auf dieser großen, weiten Welt hätte Euch beide zu gerne dabei gehabt, mit Euren immer offenen Herzen, Eurem Verantwortungsgefühl und Engagement, Eurer intelligenten Lässigkeit, Wunderschönheit und verschmitzten Witzischkeit, und ja: sogar in sportlicher Erfolgshinsicht!! Aber wir waren nun mal die Glücklichen, die Euch abgekriegt haben. Und das war und ist sooooo gut! Maximale Liebe. Punkt.

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