11.03.2018

3. Männer - Barmstedter MTV 18:30 (9:13)

Heimspiel 27.01.2018, 16:00 Uhr, Budapester Straße

Alter!

Wenn man im Lexikon unter Verfall nachschaut, findet man Bilder von welken Blumen, verwesenden Tier-Kadavern und – der 3.Herren des FC St. Pauli Handball.
Wir sind so alt, dass wir eigentlich schon als Vintage durchgehen müssten. Selbst unsere jungen Spieler sehen alt aus. Unsere Trainingsanzüge stammen aus der guten alten Zeit, in der man noch regelmässig die Frage „Was? Bei St. Pauli gibts auch Handball?“ zu hören bekam. Für uns Old School, für alle anderen einfach nur oll.
Unsere selten flüssigen Bewegungen haben wir einzig einer Vielzahl an großzügigen Bestellungen bei Versandapotheken mit Mengenrabatt zu verdanken.
Bei unseren allwöchentlichen Tabata-Sessions haben wir mitunter ambitionierte Ton-Ingenieure zu Gast, die von den entmenschten Geräuschen gehört haben, die wir dabei unfreiwillig von uns geben, sie aufnehmen und dann meistbietend an die Animationsstudios in Hollywoods vertickern, die gerade den neuen King Kong produzieren, bei dem Kong auf seine Oma trifft.
Das aufmunternde Zunicken der Zuschauer an Spieltagen missverstehen unsere alten Oberligaspieler gern als Anerkennung für vollbrachte Leistungen – in Wahrheit zeugt diese Reaktion vielmehr von der bitteren Erkenntnis, das da mal wieder jemand weit über seinem Zenit die eigene Vergangenheit nachhaltig zu beschädigen weiß.
Wie schön, dass wir uns dennoch nicht zu schade sind, in der Hitze des Gefechts eine ganze Orgie an tölpelhaften Fehlern zu produzieren, die man doch eher einer Jugendmannschaft zugetraut hätte. Besonders unangenehm ist das bei Heimspielen. Mal im Ernst, es gibt wenig Dinge, die mir peinlich sind. Ich hab meine Schwiegermutter mal gefragt, wo eigentlich Rosinen wachsen. Das war peinlich. Einen Tag später habe ich das zusammengerollte Lieblingsgemälde meines Schwiegervaters zerschnitten, weil ich es fälschlicherweise für Geschenkpapier hielt. An Heiligabend. Die zweite Halbzeit unseres Spiels gegen Barmstedt kommt dieser Dimension der Scham schon recht nahe. Auch wenn es gegen den Tabellenführer ging, der zurecht ganz oben steht. Selten haben wir schlechter gespielt und selten habe ich mich mehr über einen Schlusspfiff gefreut.
Aber etwas Gutes hat so eine Niederlage dann doch: trotz unterschiedlicher bewegungskognitiver Fallhöhen sind wir uns spätestens nach dem Genuss einer Kiste Bier darüber einig, dass wir eigentlich und sogar uneigentlich schon mindestens die allergeilste Truppe sind, die diese Halle je gesehen hat. Und das stimmt jawohl auch.

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