2025-11-26 00:10

SG HT16/SC Eilbek - FC St. Pauli 4 37:23 (22:9)

(22.11.2025, 18:00, Sorbenstraße)

YOLO

Und ich fühle mich frei
Ein natürliches High
Ich fühle mich frei

Superpunk – Ich find alles gut

 

Für die Reihe „Historische Spiele“ ist knickwurf heute zu Besuch in Michael Hells großzügigem Loft, das sich über drei Blocks am unteren Ende der Holstenstraße erstreckt. Vom betagten Butler geleitet durchqueren wir die berühmte lichtdurchflutete Kuppel des Ideenhofes, wo sich junge Menschen inmitten von Sphärenklängen und Brunnengeplätscher der Inspiration hingeben. Wir treffen den Trikotmogul in einem seiner Themenräume, wo er uns leicht unterkühlt, aber freundlich begrüßt, ehe wir mit exklusiven Cocktails in edlen Chaiselonguen versinken.

knickwurf: Herr Hell – vielen Dank für diese Einladung.

Herr Hell: Ihr dürft mich Michi nennen.

knickwurf: Oh, Vielen Dank! Ich will auch gleich zum Kern der Sache kommen: Erinnern Sie sich an den 22. November 2025?

Michi: (empört) Also, nee jetzt! Du willst mich zu diesem Scheißspiel interviewen? Das kann ja wohl nicht dein Ernst sein!

arne: (erstaunt) Wie jetzt?

Michi: Hast du mal auf das Ergebnis gekuckt? Wir fangen 37 Dinger, Mann! Mit sowas kommst du jetzt hier an? Du hast ja wohl nicht mehr alle Latten am Zaun!

arne: Ja, was soll ich denn machen?!? Ich kann dich ja wohl nur zu Spielen interviewen, die’s auch gab. Und in der Saison waren die alle scheiße.

Michi: Und du wählst zielsicher das beschissenste aus!

arne: Stell dich nicht so an! Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Und du warst ja noch einer der erfolgreicheren Spieler an dem Tag.

Michi: (grummel)

knickwurf: (trickreich ablenkend) Unsere Leser wissen vielleicht nicht alle, daß an diesem Tag der Grundstein zu Ihrer unvergleichlichen Karriere gelegt wurde. Mögen Sie dazu etwas sagen?

Michi: Naja. Tatsächlich war das ein paar Tage später, als Felix auffiel, daß das Schnabeltier im Nackenbereich der Trikots HSV-Farben anhatte. Er hat das korrekt als die Ursache unserer unzureichenden Leistung ausgemacht...

knickwurf: … und Sie hatten diese Trikots produziert! Ein kleiner Fehler als Keimzelle von etwas ganz Großem.

Michi Hell: Ich habe nur die logischen Konsequenzen gezogen. Mir war sofort klar: Die Gegenwart ist verloren, aber die Zukunft strahlt in magischem Glanz. Wenn ein dummes Schnabeltier von nichtmal fünf Zentimetern solche Macht hat – welche Macht haben dann erst glasklare Ansagen auf dem Trikot?

knickwurf: Sie haben dann „schneller“ draufgeschrieben?

Michi: (genervt) Ich hab’ „rennen“ hinten auf die Trikots für die nächste Saison geschrieben! Das hat uns den Wiederaufstieg mit einer Rekordzahl an Toren beschert.

knickwurf: Wie das?

Michi: Naja – wenn die Kollegen jetzt wie üblich dem Spieler mit dem Ball hinterhergestiert haben, dann hat sie das daran erinnert, daß sie ja auch nach vorne laufen könnten...

knickwurf: … und Sie haben jedes Spiel mit mindestens 8 Toren Differenz gewonnen!

Michi: Irre, oder? Aber der Durchbruch kam dann mit den metaphysischen Fußballtrikots…

knickwurf: … mit denen Sie „die geistige Gestalt der Mannschaften in die dingliche Welt übersetzten, was zu wahren Leistungsexplosionen führte.“

Michi: Richtig. So steht’s im Lehrbuch. Werder Bremen wurde viermal in Folge Meister, weil die Trikots nach Fisch rochen. Eigentlich unglaublich.

Einen Moment halten wir inne ob dieser Bescheidenheit eines Mannes, der dem deutschen Fußball wieder zu Weltgeltung verhalf, indem er die Mannschaft im Blaumann mit Schlips auflaufen ließ.

Michi nutzt die Pause, um sich die neue Kollektion präsentieren zu lassen. Tätowierte Models tänzeln in hautengen hautfarbenen Jerseys an uns vorüber. Die Nummern sind in Form von Körperbehaarung aufgedruckt, um fotorealistische Brustwarzen herum. Die Lage des Bauchnabels illustriert eine Bindegewebsschwäche. Die Hose ist als Doppelripp mit Eingriff gestaltet. Auf dem linken Hosenbein prangt das Logo von Schalke 04. Es riecht nach Tabak und altem Schweiß.

Michi wirkt sehr zufrieden. Wir winken den Butler herbei, der ihm großzügig nachschenkt.

knickwurf: Nun zum Spiel.

Michi: (beschwingt) Meinetwegen. (zum Butler) Zehntausend auf den Champions-League-Titel für Schalke setzen!

knickwurf: 22.11.2025. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache.

Michi: (blickt skeptisch) (blickt nochmal skeptisch) Ach ja… Am Ende war’s halb so wild.

knickwurf: (interessiert) Ach…

Michi: Wißt ihr – wir sind damals durch eine Lernphase gegangen. Am Anfang wußten wir einfach nicht, was die von uns wollten.

knickwurf: Interessant…

Michi: Ja. Die sind mal hierhin gelaufen und mal dahin und dann gab’s nen Paß und plötzlich ein Tor. Das hat uns so verwirrt, daß wir vorne vielleicht etwas hektisch wurden.

knickwurf: (stirnrunzelnd) Hektisch…

Michi: (hebt den Zeigefinger) Und wir haben sehr viel ans Aluminium geworfen.

knickwurf: Das wurde dann in der zweiten Halbzeit besser?

Michi: (beschwipst) (verschlagen) Viel besser. Wir waren ja lernfähig, wie gesagt. Nicht einzeln, aber so als Mannschaft irgendwie. Und in der dritten Halbzeit wurde es noch besser.

knickwurf: Dritte Halbzeit?

Michi: Bei Mario. Linguine mit Steinpilzen. Pizza Diavola. Panna Cotta. Averna. Das einfache Leben – und davon viel! YOLO, Mann!

knickwurf: (irritiert) Und das war’s schon zu dem Spiel?

Michi: (knurrt drohend) Das war’s!

knickwurf: (beflissen) Michi, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Michi: Pfiati!

(arne)

Es spielten: Hansi (Tor), Marco (Tor), Korbi, Hendrik, Nils, Michael H., Luis, Michael „Michel“ S., Dennis, Holger, Max, Marvin, Piet, Simon, Arne; auf der Bank: Alv (Coach)

 

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